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Zitzenbachtal: alte Bergbauspuren und vieles mehr

Das Zitzenbachtal in Ferndorf ist eines der ältesten besiedelten Täler im Siegerland. Bei Bauarbeiten in den 1960-er Jahren wurde eine steinerne Hammeraxt aus der Jungsteinzeit gefunden, die vom Westfälischen Denkmalamt Münster auf 2500-1800 v. Chr. datiert wurde. Bei späteren Grabungen fand man auch verschiedene Relikte aus der Keltischen Zeit (um 300 v. Ch.). Sie sind im Ferndorfer Heimatmuseum ausgestellt.

Zitzenbach = zischender Bach
Der Zitzenbach entspringt unweit des Kindelsberges, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Region. Die Baudenkmäler aus der Vergangenheit, der Bergbau mit seinen Stollen – heute oftmals verfallen – prägen das kleine Seitental des Ferndorf Baches. Der Bergbau hat sogar den Namen bestimmt: Zitzenbach = zischender Bach (beim Ablöschen des heißen Eisens mit Wasser zischt es). Schlacken, die Reste der Verhüttung im Mittelalter, findet man heute noch.

Der Flurname "Bocherich" (bei der Bocherich-Hütte - Nr. 40) stammt von pochen bzw. Pochwerk ab. Dort wurde der Bach im Mittelalter in einen Obergraben umgeleitet, wodurch mittels eines Wasserrades die Blasebälge der kleinen Waldhütte oberhalb der Drüje Dongs Hütte (Nr. 26) angetrieben wurden. So konnte eine höhere Schmelztemperatur erzielt werden als in den Laténeöfen der Keltenzeit, die nur mit natürlichen Hangwinden betrieben wurden. Die Metallausbeute war dadurch größer.

Seltene Pflanzenwelt
Eisen, Blei, Kupfer, Zink und etwas Silber hat man früher im Zitzenbachtal am Füße der Martinshardt aus der Erde geholt – mehrere heute noch sichtbare, vegetationsarme Halden zeugen davon. Auf den schwermetallhaltigen Böden gedeihen seltene Pflanzen wie die Strandgrasnelke, das Hallers Schaumkraut, Wollgras, geflecktes Knabenkraut und Blauschwingel.

Am Hamburger
Das "Hamburger" ist benannt nach dem Bergmann Johannes Hamburger, der um 1900 mit seiner Familie dort wohnte. In der Nähe des heutigen Wanderweges befand sich damals eine Aufarbeitungsanlage der Gruben Sonnenberg, Kuhlenberg und Abraham - ein Pochwerk in dem die vorsortierten Erze mechanisch zerkleinert wurden. Das Wasser des Zitzenbaches wurde in zwei Teichen gesammelt, um die hölzernen Stampfer täglich einige Stunden betreiben zu können. 

Am Hamburger bei der heutigen Bienenhütte (Nr. 36) und der Quelle "Kühler Wirt" war von 1935 bis bis Mitte der 1970er Jahre eine angesehene Bienenbelegstelle, wo in rund 150 Zuchtkästen sehr erfolgreich Bienenköniginnen gezüchtet wurden.

Bewegte Bilder vom Zitzenbachtal (Film des WDR)

Weitere Informationen zu Bergbau und Industriekultur in Südwestfalen unter
http://www.eisenstrasse-suedwestfalen.de und http://www.wassereisenland.de

 

Führungen
Auf Anfrage bieten wir für Gruppen eine Führung im Zitzenbachtal an, bei der auch über das Naturfreibad Zitzenbach, die frühere Bienenbelegstelle und die Hüttenkultur in Ferndorf berichtet wird. Eine anschließende Einkehr mit Imbiss und Umtrunk in die CVJM-Hütte ist buchbar. Kontakt: Katrin Stein, Tel. 02732-590976 oder info@ferndorf.de

Noch mehr Infos
Ausführliche Informationen zum Naturfreibad Zitzenbach, zur früheren Bienenbelegstelle am Hamburger und zum Kronprinz Friedrich-Wilhelm-Erbstollen (unterquert das Zitzenbachtal im Bereich des Wildensteins und der Abba-Hütte - s. Hütte Nr. 33) werden in der Dorfchronik Band 4 zu finden.

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Spätmittelalterlicher Schmelzofen mit Wasserrad und Blasbälgen [Abb.: Prof. Döring] - so wie er bei der Drüje Dongs Hütte gestanden haben könnte

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Naturfreibad Zitzenbach und der Zitzenbach bei der Drüje Dongs Hütte [Fotos: Walter Hellmann]

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Die Martinshardt ist vom Bergbau durchlöchert wie ein Schweizer Käse [Abb.: Dr. Mathias Döring]