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Die Dritten

Gerhard Debus, Dachdeckermeister aus Ferndorf, war an einem Samstag im August 2000 beruflich im „Wittgensteiner“ unterwegs. Auf dem Rückweg kaufte er sich in einer Bäckerei noch ein Stück Kuchen, dass er im Auto essen wollte. Das klappte aber nicht so richtig, weil ihm die untere Kauleiste immer wieder umklappte - er hatte morgens nämlich die Haftcreme vergessen. Also nahm Gerhard das untere Gebiss heraus und legte es auf das Papptablett zu dem Kuchen. Dies geschah wohl nicht zum ersten Mal, denn später erklärte er: „Kooche kaan ech och ganz god daohne ässe“.

Plötzlich klingelte sein Handy. Weil er gerade an einem Parkplatz vorbeikam, hielt er dort, um das Telefonat in Ruhe zu führen. Während er sprach, erspähte er im Augenwinkel einen Mülleimer, faltete das Kuchenpapier zusammen und warf es hinein.

Am anderen Tag wollte Gerhard mit seiner Frau einen Sonntagsausflug machen. Ums Verrecken jedoch konnte er seine falschen Zähne nicht finden und suchte das ganze Haus danach ab. Irgendwann dämmerte es ihm: Gestern auf dem Rückweg ... hatte er sie etwa mitsamt dem Kuchenpapier ... ? Sofort machte er sich auf den Weg. Der Mülleimer war noch nicht geleert und schnell fand er das Kuchenpapier - darin, ordentlich eingepackt: die Dritten! 

Gerhard war so erleichtert und glücklich, dass er sein Erlebnis in den folgenden Tagen gerne erzählte - durch seine Erinnerungsgabe hatte er sich schließlich eine Zahnarztrechnung im Wert von mehreren hundert Mark erspart.